Uraufführung: Elena Spitzner bringt mit ihren SchwetSingers „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff auf die Bühne

Diesen Termin sollten Sie jetzt schon fest im vorweihnachtlichen Kalender blocken: am 3. Advent präsentiert der Sängerbund Schwetzingen das von Elena Spitzner komponierte und von Stefanie Robens getextete Musical-Märchen „Das kalte Herz“. Für Spitzner wird so ein lang gehegter Traum wahr, so komponierte sie bereits 2005 das Musical „Schneewittchen“ und 2007 „Wuschel haut ab“ für den Sängerbündschen Kinder- und Jugendchor, auch damals bereits mit textsicherer Unterstützung von Robens. Die Uraufführung des nun dritten Musicals aus Spitzners Feder findet im Rahmen des 49. Weihnachtskonzert bei Kerzenschein am 17. Dezember um 17.00 Uhr im Schwetzinger Lutherhaus statt.

Das Märchen „Das kalte Herz“ von Hauff ist keineswegs verstaubt, behandelt es doch jene Themen der heutigen Zeit, in der das Streben nach Ruhm, Erfolg und Reichtum allgegenwärtig ist. Just die Weihnachtszeit bietet Raum zum Innehalten und stellt uns jährlich aufs neue die Frage, was denn eigentlich wirklich die essentiellen Werte im Leben eines jeden sind und was Glück bedeutet. So erleben die Konzertbesucher die emotionale Reise des Köhlers Peter Munk (gespielt von Tobias Kreichgauer), der das Köhlerhandwerk nach dem Tod seines Vaters im Schwarzwald übernommen hat. Peter ist unzufrieden mit seiner Lebenssituation. Kann einer Köhler sein, der keine Kohle macht? Bewundernd schaut er auf die reichen Männer seines Dorfes, die sich alles leisten und höchstes Ansehen genießen. Alles würde Peter geben, wenn er so wäre wie sie. Arm zu sein ist wirklich keine Gnade! Auf der Suche nach Auswegen begegnet er zwei Waldgeistern, dem guten Schatzhauser (gespielt von Peter Schäfer) und dem bösen Holländer-Michel (gespielt von Michael Scherer). Mit beiden kommt er ins Geschäft. Der gute Waldgeist gewährt ihm drei Wünsche. Der böse Holländer-Michel bietet Peter im Tausch gegen dessen echtes Herz ein steinernes Herz und unbegrenzten Reichtum. Das Unglück nimmt seinen Lauf: Peters Wünsche erfüllen sich wie von selbst, doch er kann mit seinem steinernen Herzen nichts mehr empfinden – keinen Schmerz, kein Mitleid, kein Glück und keine Freude. Und so verliert er, im Streben nach Reichtum und dem damit vermeintlich verbundenen Glück, alles bis auf sein eigenes Leben. Erst dann stellt er fest, dass seine Wünsche mehr als töricht waren. Der einzige Ausweg ist dem Hinweis des guten Schatzhausers zu folgen: „Schaff dir ein wärmeres Herz, Peter!“ Ob Peter sein verlorenes Herz zurückgewinnen kann?

Ein weiterer Höhepunkt bildet das Muiskerquintett, das der Sängerbund für das Weihnachtskonzert gewinnen konnten: Steffen Bade (Akkordeon), Patrick Pilarski (Bass), Benny Zweig & Tobias Nessel (Schlagzeug), Yolanda Diefenbach (Saxophon) untermalen gemeinsam mit Spitzner (am Klavier) die Vorstellung.

Karten im Vorverkauf wird es voraussichtlich ab Mitte November geben, weitere Infos folgen. Das Märchen ist für Erwachsene und Kinder ab 8 Jahren geeignet.

48. Weihnachtskonzert bei Kerzenschein

Für viele Musikbegeisterte beginnt Weihnachten schon mit dem traditionellen Konzert bei Kerzenschein, das der Sängerbund im Advent anbietet. Dies galt insbesondere für Freunde, Verwandte und Bekannte der in festlicher Kleidung auftretenden Sängerinnen und Sänger des Ensembles „d’accord“, aber auch für die vielen anderen Gäste, die am Sonntagnachmittag nach und nach die Bankreihen in der Stadtkirche füllten. 

Sie alle wurden von der Vorsitzenden Sabine Rebmann herzlich begrüßt. Schon beim Betreten der Kirche konnten die Besucher die besondere Atmosphäre erspüren. Während sich die Stadt in zauberhaftem Licht präsentiert, ließ das Ambiente in der Kirche mit der stilvollen Dekoration und den vielen brennenden Kerzen eine feierliche Stimmung aufkommen. Und der hoch über den Köpfen schwebende Adventskranz mit den beiden brennenden Kerzen vermittelte: Es ist der zweite Advent.  

Am Piano begleitet
In einem bunten Mix aus deutschen und internationalen Weihnachtsliedern, darunter aus Italien, Spanien, Polen, England, Frankreich, Amerika und der Schweiz, zeigte sich die gesamte Bandbreite des Chors, der von André Erben geleitet und am Piano begleitet wurde. Das Publikum nahm das Konzert begeistert auf, nicht zuletzt dank der eloquenten Moderation Sabine Rebmanns. Sie versorgte die Zuhörer mit Wissenswertem rund um Werke und Komponisten und das auf sehr originelle Art. Anhand von Begriffen, die laut einer Umfrage die meisten Menschen mit Weihnachten verbinden, hob sie das Besondere der einzelnen Stücke hervor. 

„Freude, Vorfreude auf ein großes Fest“, erklärte sie, „kommt in vielen der Lieder zum Ausdruck“, darunter in Bachs „Vom Himmel hoch“, das den besinnlich-barocken Auftakt des Konzerts machte, oder im daran anschließenden „Ich steh an deiner Krippe“, aber auch im populären „Hört der Engel helle Lieder“, das seinen Ursprung in Frankreich hat. „Freu dich o Erd“ komponierte Händel in seiner Londoner Zeit, darin ist ebenfalls viel von dieser Vorfreude auf das Weihnachtsfest zu spüren wie auch im Sterndreher-Lied aus der Schweiz „Es ist für uns eine Zeit angekommen“. Eng verbunden mit dem Begriff „Freude“ sind Ausdrücke wie „strahlende Kinderaugen“, „Geschenke“ oder „Zeit mit der Familie“ sowie „Wünsche“, die in dem von Elisabeth Bertram komponierten Lied „Ein paar Tage nur noch am Kalender“ sehr schön besungen wurden.

„Einsamkeit“ ist ebenfalls ein Begriff, der in Zusammenhang mit Weihnachten genannt wird, zeigte Rebmann auch die negativen Assoziationen auf, oder „Einkaufsstress“ und „Familienstreit“. Tröstend hingegen das darauf folgende Lied „Leuchtend durch die heil’ge Nacht“, wo „Liebe“, „Licht“, „geschmückte Straßen“ in den Fokus rücken. Der Wunsch nach Frieden, nach Geborgenheit, nach Ruhe und Besinnlichkeit sind weitere Begriffe, die in Zusammenhang mit Weihnachten gebracht werden „in allen Ländern, aus denen wir Lieder singen“, informierte die Moderatorin, hinzu kommen „gutes Essen, Verwandtenbesuch und der Kirchgang, aber auch Schnee, Tannenbaum und die Geburt Jesu“. 

In allen Liedern vereinigten sich die Stimmen der Sängerinnen und Sänger zu einem leuchtend klingenden Gesamtbild. Große Wirkung entfachte das auf Französisch gesungene „Que j’aime ce divin enfant“ und die schwungvolle spanische Volksweise „Vamos pastorcillos“. 

Abwechslungsreich und emotional
Ein Lob gebührt auch den Solisten Monika Helmling, Frigga Jacob, Elke Teichmann und Michael Hardung sowie den Instrumentalisten Sophia Kolbenschlag, Oboe, und Stefan Mack, Piano. Abwechslungsreich, emotional bereicherten sie mit den beiden Instrumentalstücken von Telemann und Loeillet das Konzert und Percussionist Benny Zweig lieferte besonders für „The Little Drummer“ äußerst professionell das schlagfertige Fundament. 

Den Schluss des Konzerts bildete das gemeinsam gesungene Lied „Macht hoch die Tür“, das im schön gestalteten Programmheft mit vielen hilfreichen Hinweisen für das Publikum abgedruckt war. Am Ende gab es viel Applaus für ein festlich besinnliches Konzert, das die Zuhörer wunderbar auf die Advents- und Weihnachtszeit einstimmte. 

© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 06.12.2016

Probenwochenende d’accord

Zu einem intensiven Probenwochenende hat sich d’accord nach Schönau / Pfalz in die Bildunges-und Freizeitstätte Heilsbach aufgemacht. Die einzelnen Stimmen feilten am letzten Schliff für das bevorstehende 48. Weihnachtskonzert am kommenden Sonntag um 17.00 Uhr in der Stadtkirche Schwetzingen. 

Alle Beteiligten sind sich einig: das Wochenende mit den intensiven Proben hat sehr viel gebracht und alle freuen sich auf das besinnliche Weihnachtskonzert.

Karten gibt es im vergünstigten VVK zu je 10€ (Schüler 6€) in Schwetzingen bei Optik Schreiber, Mannheimer Straße 15-17 sowie Café Utz, Kleine Planken, Mannheimer Straße 31. Nach dem Konzert gibt es ein gemütliches Beisammensein bei Getränken und kleinen Speisen im Lutherhaus.

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Konzertbericht: 46. Weihnachtskonzert bei Kerzenschein mit Kathy Kelly

Ein wahres Fest – geformt in Tönen

SÄNGERBUND: Weihnachtskonzert bei Kerzenschein mit dem Chor „d’accord“ und Stargast Kathy Kelly wird ein voller Erfolg. Muntere Mischung musikalischer Highlights.

Es ist dieser eine Satz aus dem Mund der Vorsitzenden Sabine Rebmann, der an diesem Abend alles klarstellt: „Auf dem Weihnachtsmarkt – das Helene-Fischer-Double, in der Stadtkirche – Kathy Kelly im Original.“ Braucht es mehr, um auszudrücken, was dieses 46. Weihnachtskonzert bei Kerzenschein, das der Sängerbund Schwetzingen auf die Beine gestellt hat, für eine Wirkung entfalten sollte? Wohl kaum!

Vor allem deshalb nicht, weil sanfte Koketterie ganz gewiss nicht die Sache dieser puren musikalischen Weihnachtsfreude war, die 150 Minuten anhalten sollte. Ein Fest, geformt in Tönen, das von der ersten Sekunde an seinen eindrucksvollen Lauf nimmt. Und das, obwohl Besucher mit Irving Berlins getragenem „White Christmas“ ganz besinnlich starten.

Einheit von Harmonie und Kraft 

Doch was Dirigent André Erben und Peter Schnurr am Piano aus dem Sängerbund-Chor „d’accord“ herausholen, grenzt schon fast an Unmögliches. 50 Stimmen in einer solchen Harmonie und Kraft, dass einem trotz des warmen Kerzenscheins rasch die Gänsehaut über den Körper jagt – so hat man das lange nicht mehr erlebt. Dabei zeigen sich die Stimmen in keiner Lage unterrepräsentiert: Die introvertierte Schönheit im Sopran, als es mit „Stehet still und lauscht ein wenig“ in historische Gefilde geht, die holde Hilfsbereitschaft im Alt, wenn es auch für jene in Armut und Not heißen darf „Zu Weihnachten klingen alle Glocken“ und eine wohl ausgezierte Folklore, als die Männer Richard Eilenbergs „Petersburger Schlittenfahrt“ zum zünftigen Gesangsreigen formen.

Foto: N. Lenhardt

Foto: N. Lenhardt

Und dann kommt sie – Kathy Kelly. Mit Akkordeon, Gitarre, Geige und einem Volumen im Organ, das die farbig angestrahlten Wände der evangelischen Stadtkirche erzittern lässt. Wer sie noch aus Zeiten der Kelly Family kennt, weiß: Diese Frau macht keine halben Sachen und auch mit ihren 51 Jahren lässt sie sich von niemandem etwas vormachen. Gewiss, ein paar Falten mögen sich in ihr Gesicht gegraben haben, doch den Schneid lässt sie sich von solchen Lächerlichkeiten gewiss nicht abkaufen.

Wenn eine Kathy Kelly zu Leonard Cohens prallem „Hallelujah“ antritt oder der Natur „Down By The Sally Gardens“ ganz stilvoll und subtil ihren Raum überlässt, kann sich niemand ernsthaft gegen diese emotionale Wucht zur Wehr setzen. Und man möchte es auch nicht. Weil es Freude macht, einander zuzusehen, wie die Freudestränen die Wangen hinunterströmen. Weil einige begeisterte Fans vor Rührung fast einen Augenblick vergessen, die Smartphones zu einer neuen Aufnahme zu zücken – einfach weil dieser Augenblick so innig und privat, so intensiv und fast schon intim ist, dass dieser besser unter den Anwesenden bleibt.

Doch halt! Der Reize sind ja noch reichlich in der Warteschleife, es braucht noch etwas Aufmerksamkeit. Denn auch die Damen und Herren von „d’accord“ haben ihr Pulver noch nicht verschossen. Es sind wunderbar einladende Melodien von John Rutter, denen der Chor Ausdruck verleiht. Zwischen Swing, Chanson, Kunstlied und traditionellem Volkslied changierend, schaffen diese Nummern, deren Namen meist auch inhaltlich Programm sind, etwa „Weihnachts-Wiegenlied“ und „Die wunderbarste Zeit ist nah“, eine Atempause, die auch allzu nötig werden sollte.

Denn nach dem heiteren „Lia Noeli“ war es erneut Kathy Kelly, die mit Schwergewichten aufwartete, die das Publikum schlagartig zum Aufspringen brachten. Und damit sind keinesfalls nur die Kelly-Family Gassenhauer längst vergangener Zeiten wie „An Angel“ oder „Who’ll Come With Me“ gemeint – dass die überzeugen, kann kaum überraschen. Dass aber eine spontan angestimmte Arie der Sieglinde aus Wagners „Walküre“ tosenden Beifall erhält und zur sakral gefärbten Power-Ballade „You Sleep With Angels“ ein ausverkauftes Haus fast ausrastet, das spricht dafür, dass diese Künstlerin weit mehr ist, als das historische Relikt, zu dem sie die Öffentlichkeit bisweilen degradiert.

Das war Weltklasse! 
Stark, ergreifend, tiefgründig und weit zeichnet ihr Organ auch Titel wie „Swing Low, Sweet Chariot“ und „Leise rieselt der Schnee“, als es für das Energiebündel schließlich gilt, gemeinsam mit dem Chor zu musizieren. Und das ist schön anzusehen: dass sich Chor und Kelly nicht aufheben, stimmlich gar im Wege stünden, sondern einander in Schönheit gezielt ergänzen.

Auf Flügeln eilt man so dem Ende entgegen und nach einem hinreißenden Duett mit André Erben zum verzauberten „Engelsmensch“ heißt es: auf in die „Stille Nacht“. Und wie war das noch gleich? „d’accord“ heißt „in Ordnung?“. Mensch, dieses Konzert war doch Weltklasse!

© Schwetzinger Zeitung, Markus Mertens, Dienstag, 23.12.2014

Impressionen des Konzerts (Fotos von Theo Stadtmüller)