Sängerbündler zu Gast in Lunéville

Zu einem Konzert im Theater der Stadt reiste eine kleine Gruppe Sängerbündler –  aktive Sängerinnen und Sänger von d’accord und SchwetSingers – in die Partnerstadt Lunéville. Die befreundeten Chorsänger „Les Croissants d’Or“ feierten ihren 40. Geburtstag. In einem über zweistündigen Programm mit dem Titel „L’air du temps“ (Zeitgeist) sangen und spielten die französischen Sänger und Sängerinnen ohne Pause. Die Götter fragten sich, warum Menschen so lange Zeit in einem Chor zusammensingen. Die Antwort im Schlusslied: weil es Spass macht, weil man mit Freunden zusammen ist, weil es jedem Menschen gut tut – egal in welchem Alter. Für die Sängerbündler war es wiedermal ein Besuch bei Freunden und man versprach sich ein baldiges Wiedersehen.

 

d’accord zu Besuch bei Les Croissant d’Or in Lunéville

Pünktlich um 08:00 Uhr verließ der Bus am 4. Adventssonntag den Schwetzinger Bahnhof und machte sich auf den Weg zu Schwetzingens erster, ca. 240km entfernten Partnerstadt Lunéville im Osten Frankreichs. Auf den Weg gemacht hatten sich 32 Mitglieder des Sängerbund Schwetzingens und folgten somit freudig gespannt der Einladung des befreundeten Chors „Les Croissant d’Or“. Die Sangesfreundschaft besteht annähernd so lange, wie auch die Partnerstadt der beiden Städte, denn diese besteht bereits seit 1969. Die ersten Kontakte zum Sängerbund wurden im Juni 1974 von der Französin Susanne Rhote durch Vermittlung von Stadtrat Robert Brand zum damaligen Chorleiter Karl Imhof geknüpft, noch im gleichen Jahr folgte das erste gemeinsame Konzert am 4. Advent im Schwetzinger Schloss – damals noch als „Choral de la M.O.S.“ (Chor der Vereinigung der Schulfreunde Lunéville) unter der Leitung von Jean Sénécal sowie den Chören des Sängerbundes: Kinder- und Jugendchor (Chorleiter Walter Imhof) und Gemischten Chor unter der Leitung von Gerhard Bauer. Das war der Beginn einer neuen Freundschaft und just 42 Jahre später, ebenfalls am 4. Advent gestalten die neu „formierten“ Chöre d’accord unter der Leitung von André Erben und Les Croissant d’Or unter der Leitung von Marc Dubois gemeinsam ein wunderschönes Weihnachtskonzert in der Kirche St. Jacques im Herzen von Lunéville.

Es ist ca. 14.30 Uhr, die Kirche füllt sich stetig, ganz vorne in der Reihe lässt sich ein älterer Herr mit Gattin nieder, es ist niemand geringeres wie Jean Sénécal, der den Chor Les Croissants d’Or im Jahre 1977 gegründet hatte und mit dem heutigen Konzert für seine 40-jährige Tätigkeit geehrt wurde. Nach der herzlichen Begrüßung durch die Beigeordnete Marie Viroux, stellvertretend für den Lunéviller Bürgermeisters Jacques Lamblin, machten die Gastgeber den Beginn und sorgten sogleich für die erste Überraschung: die „Bühne“ im Altarraum war leer und dennoch erklangen die ersten zarten Töne aus dem hinteren Teil des Kirchenschiffes. Neugierig drehten sich die Zuhörer um und lauschten dem ersten Beitrag der Croissants d’Ors. Danach sangen der Schwetzinger und der Lunéviller Chor abwechselnd- oder gemeinsam. Die Übergänge zwischen den Gesangsbeiträgen der beiden Chöre ging fließend und ineinander übergreifend, es wurden bekannte französische sowie deutsche Klassiker vorgetragen – gemeinsam auf Deutsch und Französisch. Marc Dubois verstand es auf charmante Weise das Publikum zum Mitsingen zu begeistern und so erklang ein herzliches „Gloria in excelsis Deo“ in der Kirche. Vor allem die von d’accord vorgetragene „Petersburger Schlittenfahrt“ kam bei den französischen Freunden exzellent an und kündigte das gemeinsame Finale mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ an. Die Jahre der Freundschaft zwischen den beiden Chören und die Freude am gemeinsamen Musizieren lagen greifbar in der Luft und rissen das Publikum am Ende von den Stühlen. Die Besucher dankten dieses besondere Ereignis mit langanhaltendem Applaus.

Hinter einer so langen und erfolgreichen Freundschaft steht natürlich eine sehr intensive Pflege und regelmäßiger Kontakt. Auch wenn es mit der heutigen Zeit einfacher, schneller und kostengünstiger wird, so muss es Menschen geben, die sich um den Austausch bemühen und das sind Sängerinnen und Sänger, die auch heute noch aktiv am Chorleben beteiligt sind – heute wie damals vorne mit dabei Oskar Hardung, damals mit seiner Frau Helga. 1975 besuchten die beiden die neuen Freunde und waren zu Gast bei Familie Rhote. Heute, 42 Jahre später, erzählt er auf der Hinfahrt nach Lunéville, er sei immer wieder hocherfreut alte Freunde in Lunéville zu treffen, denn da seien enge Freundschaften entstanden. Er sei zudem sehr froh und hält es nach wie vor für wichtig den freundschaftlichen Kontakt mit anderen Ländern und Kulturen zu pflegen und zu fördern. Das gemeinsame Singen in den Partnerstädten ist hierzu ein guter Baustein, denn Singen verbindet, unabhängig von Sprache, Religion und Kultur. Auch die Ehrenmitglieder Gerhard Butz, Monika und Werner Helmling wussten einige Anekdoten von den zahlreichen Zusammentreffen der beiden Chöre zu berichten.

Nach dem gelungenen Konzert ging es für die Schwetzinger Sängerinnen und Sänger auf einen Abstecher in das Lunéviller Schloss, das in weihnachtlichem Glanz erstrahlte. Marc Dubois übernahm gemeinsam mit Michele Thibaut die Führung, Chorleiter André Erben fungierte als zusätzlicher Dolmetscher und erleichterte die Verständigung zwischen den Freunden. Im Anschluss ging es in das Gemeindezentrum (Salle Erckmann), in dem die französischen Sänger ein extravagantes Buffet hergerichtet hatten. Es fehlte an nichts und so wurde gemeinsam gespeist, gelacht und erzählt – keine Spur mehr von der am Morgen noch zu spürenden Unsicherheit wegen der Sprache, es war ein Abend unter Freunden. Feierlich wurde der heute 91 jährige Jean Sénécal vom 1. Vorsitzenden der Croissants d`Or Claude Larose für seine  jahrzehntelange Tätigkeit als Dirigent, Gründer und Vorsitzender der Croissants d`Or geehrt. Sabine Rebmann, 1. Vorsitzende des Sängerbundes hatte hierfür ebenfalls eine Überraschung dabei, so überreicht sie Sénécal eine Kopie aus dem Gästebuch des Vereins , in das Sénécal 1974 beim ersten Besuch in der Partnerstadt geschrieben hatte: „…mögen noch viele wunderbare Treffen mit unseren Freunden folgen.“

Für alle französischen Sängerinnen und Sänger gab es als Weihnachtsüberraschung eine Tüte mit selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen, die die fleißigen d’accordler in den Wochen vor dem Besuch gebacken hatten. Es folgten spontane Gesangseinlagen und Beiträge, sodass die Zeit unter Freunden nur so vorbeiflog. Gegen 21.00 Uhr mussten sich die Schwetzinger wieder auf den Weg Richtung Heimat machen. Mit einem „Bon voyage!“ wurden die Schwetzinger Sänger mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet – und man freue sich heute schon auf das nächste Wiedersehen mit vielen alten und hoffentlich auch ein paar neuen Gesichtern.

Gedicht: Unser 42. Jumelage Jahr mit dem Coral „Croissants d’Or“

A des geschah im 1250de Jubiläumsjohr!
Unser 42. Jumelage Jahr mit dem Coral „Croissants d’Or“

Zum End vom Jubiläumsjohr,
kommt es mir ganz französisch vor,
denn ich sitz im Bus mit viel Leid,
weil mir singe wolle mit de Freunde heit.
Seit üwer verzisch Johr dut es uns gelinge,
un mir mit de Lunèviller Freunde singe.
Mir Sänger un rinne vom („d’accord“) daChor
besuche die Sänger un rinne vom „Croissant d’Or“.
Es wird wie immer ä großes Feschd,
wann sie bei uns, oder mir bei denne sinn Geschd.

Am Bahnhof morgens um halwer achde,
dut die Sabine ihre Schäflein bedrachde.
Es fehle ä paar, die liege im Bett un huschde laut,
sie drinke in Schnaps un Tee aus Kamillie Kraut.
Der Fahrer Peter von der Firma Mayer,
lenkt den Bus, der is net so deier.
Die Fahrt war gut zügisch un schnell,
um Elfe ware mir in der Kapell.
Es wurd begrüßt un doll geküsst,
awer ich hab a monche Gsischder vermisst.
Es wurd geprobt mit dem C’croissant d’or,
beim „Wamus posta sias“ kams mir spanisch vor.

Im Saale Erkemann gab es aus äm große Haffe
in gute Eintopf auf die Deller,
Ich heb moin Deller hie,
doch die Edith (Piaf) war schneller.
Ich konn a viel verzehle mit der Freundin Michèl/e,
doch ihrn Scherard war leider net zur stell.

Danoch in der Kerch,
mir singe uns eu kurz un üwerzwerch.
Es fülle dann ganz viel Leid des Gottes Haus,
mir hoffe die gewe uns ganz a viel Applaus.
Ich seh die viel Kunschd beflissene Franzose,
un hubs dann schnell in Kittel un Hose.
Die Leid die klatsche wie kann es annerschd soi,
mit moiner Flieg bin ich schäh sie rufe ei gugg
Misiö Oskar der is awer foi.

Es singe die Freund un mir singe mit,
unser vier Solischde singe a zu dritt.
Die Besucher-Leid die glatsche vehemennd,
mich zwickt am Hals moi neies Hemd.

Wie des Konzert insgesamt war gewese,
kennt ihr die negschde Dag in der Zeitung lese.
Danoch geht es wider in alde Wasserwerk als dann,
es steht die Pflege der Freundschaft auf dem Programm.

Ich sag eich was für mich war’s wie immer ä großie Freud,
zu höre de Freund geht’s gut, un a de annere Leut.
Die Edith hot mich gsehe un glei gekrallt un geküsst,
Gott sei donk, ich hett se doch schonscht sehr vermisst.

Ä großie Ehre wurd dem 91jährische  Dirigent un Gründer
vom Choral „croissant d’or“ Jean Senécal zuteil,
er hats verdient, es wird viel gschwetzt un dauert ä weil.
Mir singe Tourdion un vom Tanze Lieder,
bevor der Woi uns vielleicht schdreggt hinnieder.
Dann gibt es noch Geschenke fa die Freund,
mit denne mir im Lied sind vereunt.
Jetzt her ich awer mit dem schreiwe uff im Bus,
deshalb, ja deshalb is jetzt Schluß.

Oskar Hardung